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Was macht ein Bild glaubwürdig?

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Ein Bild kann dein Leben

verändern auch wenn

es nie existiert hat.

Anja SchuSchu
Frau in taktischer Kleidung trägt eine Waffe lässig über der Schulter vor bewölktem Himmel.
Muskelbepackter Mann in ärmellosem Hemd hebt einen Stein mit der Zahl 10.

Stell dir vor

Du siehst das Bild mit der Armbrust in deinem Feed. Darüber steht: «Schweizer Aktivistin wird zum Symbol des Widerstands.»Das Bild wird tausendfach geteilt. In den Kommentaren diskutieren Menschen bereits darüber, was angeblich passiert ist.

Welche Informationen fehlendir, um das Bild zu überprüfen?
A: Der Name der Person
B: Ort und Datum der Aufnahme
C: Die ursprüngliche Quelle
D: Berichte über das behauptete Ereignis
E: Der Hinweis, ob das Bild KI-generiert ist

Alle Antworten sind wichtig. Aber selbst ein sichtbarer KI-Hinweis würde noch nicht erklären, wer das Bild hergestellt hat, mit welcher Absicht es verbreitet wird und ob die dazugehörige Behauptung stimmt.

Ein Bild
ist noch
keine Quelle

Bilder wirken unmittelbar. Wir sehen eine Szene und haben schnell das Gefühl, bereits zu verstehen, was passiert. Doch ein Bild zeigt immer nur einen Ausschnitt.

Auch eine Pressefotografie erhält ihren dokumentarischen Wert nicht allein dadurch, dass sie mit einer Kamera aufgenommen wurde. Entscheidend ist auch, ob sich ihre Echtheit überprüfen lässt:
Wer hat das Bild aufgenommen?
Wann und wo ist es entstanden?
In welchem Zusammenhang wurde es veröffentlicht?
Gibt es eine Bildlegende und weitere Quellen?
Wurde es bearbeitet?
Lässt sich das Ereignis unabhängig bestätigen?

Ohne diesen Kontext kann selbst ein echtes Foto falsch eingeordnet, umgedeutet oder für eine erfundene Geschichte verwendet werden.

Zwei Bilder,
zwei unterschiedliche Versprechen

Das Originalbild von Gabriel Monnet dokumentiert einen realen Moment.  Ein Fotograf befand sich vor einer realen Person. Das Foto besitzt einen Urheber, einen Entstehungskontext und eine nachvollziehbare Erstellung.

Das KI-Bild von Basil Stücheli erzeugt eine fiktive Szene. Es verbindet eine Person mit vertrauten Zeichen aus Geschichte, Film und nationaler Mythologie.

Die Armbrust genügt, um eine ganze Erzählung aufzurufen: Wilhelm Tell, Widerstand, Mut und schweizerische Identität. Die KI muss diese Geschichte nicht verstehen. Sie kombiniert visuelle Muster so, dass das Ergebnis für uns bedeutungsvoll erscheint.

Dieses Bild dokumentiert keinen Moment. Es aktiviert einen Mythos.

Warum wirkt dieser Fake glaubwürdig?

Weil wir er uns bekannt vorkommt

Bekannte Symbole lassen sich schnell einordnen. Die Armbrust gibt dem Bild sofort eine Geschichte.

Weil das Bild wie Journalismus aussieht

Schwarz-Weiss, Perspektive, Licht und Pose erinnern an dokumentarische Fotografie. Der Stil verleiht der erfundenen Szene Glaubwürdigkeit.

Weil Gefühle schneller sind als Quellenprüfung

Ein starkes Bild löst innerhalb weniger Sekunden eine Reaktion aus. Die Frage nach Ursprung und Kontext kommt oft erst später.

Weil Wiederholung vertraut macht

Wenn ähnliche Bilder und Erzählungen immer wieder auftauchen, können sie glaubwürdiger wirken, selbst wenn wir ihre ursprüngliche Quelle nicht kennen.

#OnlyFacts

A woman holding a red flower in front of a robot.

Menschen erkennen KI-Bilder nur begrenzt zuverlässig
In einem Experiment mit mehr als 12’500 Personen und rund 287’000 Bildbewertungen wurden echte und KI-generierte Bilder im Durchschnitt nur in 62 Prozent der Fälle korrekt unterschieden. Besonders schwer fiel die Beurteilung von Natur- und Stadtaufnahmen.

A woman holding a newspaper with a picture of a girl on it.

Swiss Press Photo zeigt dokumentierte Zeitgeschichte
Die Ausstellung «Swiss Press Photo 26» präsentiert vom 16. Juli bis 9. Oktober 2026 in der Schweizerischen Nationalbibliothek die besten Schweizer Pressefotografien des Jahres 2025. Die Fotografien werden nicht nur gezeigt, sondern mit Urheber:innen, Bildlegenden und journalistischen Zusammenhängen verbunden. Dadurch können sie eingeordnet, überprüft und später als Zeugnisse ihrer Zeit gelesen werden.

A row of books with one of them titled The Book of Common Prayer.

Freier Zugang zu Wissen ist nicht selbstverständlich
Die American Library Association dokumentierte 2025 in den USA 4’235 unterschiedliche Buchtitel, deren Entfernung oder eingeschränkter Zugang gefordert wurde. 92 Prozent der Beanstandungen gingen von organisierten Interessengruppen, Behördenvertreter:innen oder politischen Entscheidungsträger:innen aus. Unter Druck geraten dabei nicht nur einzelne Bücher, sondern auch Bibliotheken als Orte, an denen unterschiedliche Geschichten, Perspektiven und Quellen zugänglich bleiben.

A robot with a silver head and torso.

Realistische KI-Bilder können falsche Behauptungen glaubwürdiger machenArchivbilder aus dem Aargau sind historisch belegbar
Eine Studie zur Wirkung KI-generierter Bilder zeigte, dass Menschen anfälliger für Falschinformationen sind, wenn realistisch wirkende synthetische Bilder die dazugehörige Behauptung scheinbar stark belegen.

A woman in a yellow sweater is reading a book.

Bibliotheken bewahren mehr als Bücher
Die Schweizerische Nationalbibliothek sammelt seit ihrer Gründung 1895 nicht nur Publikationen, sondern auch Bilddokumente aus und über die Schweiz. Ihre Kataloge und digitalen Archive ermöglichen es, Quellen, ältere Veröffentlichungen und ursprüngliche Zusammenhänge zurückzuverfolgen. Ein Feed zeigt uns, was gerade Aufmerksamkeit erhält. Eine Bibliothek hilft uns nachzuvollziehen, woher etwas kommt.

Vertrauenswürdigkeit bedeutet nicht Fehlerlosigkeit

Auch Medien, Fotograf:innen, Bibliotheken und Archive können Fehler machen.
Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Arbeitsweisen:
Quellen werden genannt.
Zuständigkeiten sind sichtbar.
Informationen lassen sich überprüfen.
Fehler werden transparent korrigiert.
Dokumente bleiben auffindbar.
Unterschiedliche Quellen können verglichen werden.

Eine vertrauenswürdige Quelle verlangt nicht, dass wir ihr blind glauben. Sie ermöglicht uns, ihre Aussagen zu prüfen.

Wem kannst du vertrauen?

Vertrauen ist kein blaues Häkchen und keine hohe Zahl von Likes.
Eine Quelle wird glaubwürdiger, wenn du nachvollziehen kannst:
Wer steht dahinter?

Ist eine Person, Redaktion, Institution oder Organisation verantwortlich und erreichbar?

Woher stammen die Informationen?

Werden Originaldokumente, Daten, Fotograf:innen oder andere überprüfbare Quellen genannt?

Wie wurde gearbeitet?

Sind Methode, Auswahl und mögliche Unsicherheiten transparent?

Gibt es unabhängige Bestätigungen?

Berichten mehrere voneinander unabhängige Quellen über dasselbe Ereignis?

Werden Fehler sichtbar korrigiert?

Vertrauenswürdige Quellen berichtigen Fehler nachvollziehbar, statt sie stillschweigend verschwinden zu lassen.

Kannst du später darauf zurückkommen?

Ist die Information datiert, auffindbar und in ihrem ursprünglichen Zusammenhang dokumentiert?

#ClickWithCare

So prüfst du ein Bild als Quelle
Suche nach dem Ursprung

Nicht nach dem Account, der das Bild zuletzt geteilt hat, sondern nach der frühesten auffindbaren Veröffentlichung.

Lies die Bildlegende

Wer ist zu sehen? Wann und wo entstand das Bild? Wer hat es aufgenommen?

Prüfe die Quelle ausserhalb der Plattform

Gibt es eine Website, ein Impressum, eine Redaktion oder eine Sammlung, in der das Bild dokumentiert ist?

Vergleiche unabhängige Berichte

Zehn Accounts, die voneinander abschreiben, sind nicht zehn verschiedene Quellen.

Nutze Bibliotheken und Archive

Zeitungsarchive, Bildsammlungen und Bibliothekskataloge helfen, frühere Veröffentlichungen und ursprüngliche Zusammenhänge zu finden.

Trenne drei Fragen voneinander

Ist das Bild echt? Ist die Bildlegende korrekt? Ist die damit erzählte Geschichte vollständig? Ein echtes Bild kann falsch beschriftet sein. Ein KI-Bild kann transparent als Illustration eingesetzt werden. Und eine korrekte Bildlegende kann trotzdem einen wichtigen Kontext auslassen.

Weiterdenken und Weiterlesen

Drei Bücher für alle, die tiefer einsteigen möchten:

Susan Sontag: Über Fotografie
Wie Fotografien unsere Wahrnehmung prägen und warum ein Foto nie nur ein neutrales Abbild ist.

Richard Ovenden: Burning the Books
Warum Bibliotheken und Archive für das gesellschaftliche Gedächtnis wichtig sind – und weshalb Wissen immer wieder gezielt zerstört oder unterdrückt wurde.

Sinan Aral: The Hype Machine
Wie soziale Netzwerke Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und öffentliche Debatten beeinflussen.

Oder schau wieder einmal in einer Bibliothek bei dir vor Ort vorbei. Vielleicht findest du dort nicht nur ein Buch, sondern auch den Kontext, der im Feed fehlt.